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Fragen zum Ehrenmord
Wieviele Ehrenmorde gibt es?
Zählt man nur die Ehrenmorde, über die in deutschen Medien berichtet wird, so steigt die Zahl mit den Jahren (vermutlich weil mehr berichtet wird). Für die letzten drei Jahre sind in diesem Archiv dokumentiert:
| Ehrenmorde in Deutschland 2009: | 30 |
| Schwere Mordversuche: | 6 |
| Ehrenmorde in Deutschland 2010: | 27 |
| Schwere Mordversuche: | 12 |
| Ehrenmorde in Deutschland 2011: | 21 |
| Schwere Mordversuche: | 12 |
| Ehrenmorde in Deutschland 2012: | 14 |
| Schwere Mordversuche: | 5 |
Das bedeutet nicht, dass die Zahl der Fälle über die Jahre abnimmt. Oft finden wir sie erst, wenn der Prozess beginnt, wenn eine Revision zugelassen wird, wenn ein Verwandter sich meldet oder einfach Jahre später durch Zufall. Wir bemühen uns, diese Datenbank so gut es geht auf dem neuesten Stand zu halten.
2009: Alle Opfer 2009 waren weiblich bis auf einen Mann. Die (mutmaßlichen) Täter waren meistens Partner oder Ex-Partner. Oft besteht ein zusätzliches Verwandtschaftsverhältnis, zum Beispiel, weil Cousin und Cousine miteinander verheiratet wurden. In zwei Fällen ist der Täter der Vater, in zwei Fällen der Bruder, in einem Fall ist der Täter unbekannt. In einem Fall erschießt ein Iraker seinen Onkel und dessen Geliebte, die gleichzeitig seine Schwägerin ist. Die Familie hatte die Beziehung nicht gutgeheißen.
Im Fall Gülsüm Semin hat der Bruder seine Drillingsschwester erschlagen. Der Vater wird später zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seinen Sohn mit der Tat beauftragt hat.
2010: Unter den Mordversuchsopfern waren 2010 vier Männer. Ein weiterer Mann wird bei einem Ehrenmord erschossen, weil er ein weibliches Opfer (Laura) unterstützt. Alle anderen Opfer sind weiblich. Um die 60 Kinder bleiben zurück. Noch mehr sind betroffen, da ihre Väter im Gefängnis sind. Die Herkunftsländer der Täter sind: Die Türkei mit 21 Tätern (davon einer als Doppelmörder), Afghanistan, der Irak, Mazedonien und Syrien mit 2 Tätern. Jeweils einer kam aus Tunesien, dem Kosovo, Rumänien, Bosnien, Serbien und Guinea. Beim Mordversuch Ghassan wird die Herkunft der beiden Täter als arabisch-stämmig angegeben, beim Mordversuch Barbara als nordafrikanisch (also vermutlich Tunesien oder Marokko). In einem etwas unklaren Fall (Amal Jaafar) ist wohl eine Frau die Täterin.
2011: Da einige Prozesse noch nicht begonnen haben, ist es schwierig, verlässliche Angaben zu machen. Im Moment sieht es so aus: Unter den 20 Morden und 10 Mordversuchen sind 4 männliche Opfer. Die meisten Täter kommen aus der Türkei, nämlich 16 (darunter ein Doppelmord an der Mutter und der Schwester des eigentlichen Opfers). Aus dem Libanon kommen die Täter in drei Fällen, darunter der Fall Ali Omar, der von 5 Libanesen hingerichtet wird. Aus dem Kosovo kommen 2 Täter. Aus folgenden Ländern kommt jeweils ein Täter: Marokko, Liberia, Mali, Serbien, Mazedonien, Irak, Syrien. In einem Fall wird die Herkunft mit arabischer Raum angegeben. Im Fall Caroline ist die Herkunft unklar. Der Vorname des Täters (Abdul) weist auf den arabischen Raum, könnte aber auch türkisch sein.
2012: Im Moment ist die Datenlage für 2012 noch dünn. Es lohnt sich, noch einige Monate abzuwarten. Auf viele Fälle werden wir erst aufmerksam, wenn Monate nach der Tat der Prozess beginnt.
Leider gibt es aus verschiedenen Gründen keine offizielle oder sichere Statistik über Ehrenmorde: Viele Taten werden als Unfall getarnt, Mädchen oder Frauen werden in den Selbstmord getrieben, und manchmal werden die Opfer ins Ausland gebracht, um die Tat zu vertuschen.
Außerdem gibt es keine Statistik, die Morde in Deutschland nach Nationalitäten auflistet.
Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen gibt es weltweit etwa 5.000 Ehrenmorde jährlich, davon 300 in der Türkei. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher bei bis zu 100.000 Morden pro Jahr. Das Land mit der höchsten Ehrenmordrate dürfte Pakistan sein.
Quelle: www.spiegel.de und www.terredesfemmes.de
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