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Fragen zum Ehrenmord

Wieviele Ehrenmorde gibt es?

Niemand weiß, wieviele Ehrenmorde es in Deutschland gibt. Taten bleiben unentdeckt, bei manchen Ehrenmorden wird in der Berichterstattung oder vor Gericht der Begriff Ehre nicht ein einziges Mal erwähnt.

In diesem Archiv sind Daten zu den Taten gesammelt, die wir gefunden haben. Zurzeit sind dokumentiert:

Ehrenmorde in Deutschland 2009:30
Schwere Mordversuche:6
Ehrenmorde in Deutschland 2010:28
Schwere Mordversuche:12
Ehrenmorde in Deutschland 2011:22 (+2 ungeborene Kinder)
Schwere Mordversuche:12
Ehrenmorde in Deutschland 2012:22 (+2 ungeborene Kinder)
Schwere Mordversuche:9
Ehrenmorde in Deutschland 2013: 24 (+3 ungeborene Kinder)
Schwere Mordversuche: 5
Ehrenmorde in Deutschland 2014: 16
Schwere Mordversuche: 11
Ehrenmorde in Deutschland 2015: 22 (+1 Ungeborenes)
Schwere Mordversuche: 11

Das bedeutet nicht, dass die Zahl der Fälle über die Jahre abnimmt. Oft finden wir sie erst, wenn der Prozess beginnt, wenn eine Revision zugelassen wird, wenn ein Verwandter sich meldet oder einfach Jahre später durch Zufall. Wir bemühen uns, diese Datenbank so gut es geht auf dem neuesten Stand zu halten.

2009: Alle Opfer 2009 waren weiblich bis auf einen Mann. Die (mutmaßlichen) Täter waren meistens Partner oder Ex-Partner. Oft besteht ein zusätzliches Verwandtschaftsverhältnis, zum Beispiel, weil Cousin und Cousine miteinander verheiratet wurden. In zwei Fällen ist der Täter der Vater, in zwei Fällen der Bruder, in einem Fall ist der Täter unbekannt. In einem Fall erschießt ein Iraker seinen Onkel und dessen Geliebte, die gleichzeitig seine Schwägerin ist. Die Familie hatte die Beziehung nicht gutgeheißen.

Im Fall Gülsüm Semin hat der Bruder seine Drillingsschwester erschlagen. Der Vater wird später zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seinen Sohn mit der Tat beauftragt hat.

2010: Unter den Mordversuchsopfern waren 2010 vier Männer. Ein weiterer Mann wird bei einem Ehrenmord erschossen, weil er ein weibliches Opfer (Laura) unterstützt. Alle anderen Opfer sind weiblich. Um die 60 Kinder bleiben zurück. Noch mehr sind betroffen, da ihre Väter im Gefängnis sind. Die Herkunftsländer der Täter sind: Die Türkei mit 23 Tätern (davon einer als Doppelmörder), Afghanistan, der Irak, Mazedonien und Syrien mit 2 Tätern. Jeweils einer kam aus Tunesien, dem Kosovo, Rumänien, Bosnien, Serbien und Guinea. Beim Mordversuch Ghassan wird die Herkunft der beiden Täter als arabisch-stämmig angegeben, beim Mordversuch Barbara als nordafrikanisch (also vermutlich Tunesien oder Marokko). In einem etwas unklaren Fall (Amal Jaafar) ist wohl eine Frau die Täterin.

2011: Unter den 22 Morden und 12 Mordversuchen sind 4 männliche Opfer. Die meisten Täter kommen aus der Türkei, nämlich 17 (darunter ein Doppelmord an der Mutter und der Schwester des eigentlichen Opfers). Aus dem Libanon kommen die Täter in drei Fällen, darunter der Fall Ali Omar, der von 5 Libanesen hingerichtet wird. Aus dem Kosovo kommen 2 Täter. Aus folgenden Ländern kommt jeweils ein Täter: Marokko, Liberia, Mali, Serbien, Mazedonien, Irak, Syrien. In einem Fall wird die Herkunft mit arabischer Raum angegeben. Im Fall Caroline ist die Herkunft unklar. Der Vorname des Täters (Abdul) weist auf den arabischen Raum, könnte aber auch türkisch sein. Ein Täter ist ein in Kiel geborener Sinti/Roma.

2012: Von den 31 Tätern kommen 16 aus der Türkei, darunter eine Täterin, die versucht, eine schwangere Frau zu erstechen und dabei ihr ungeborenes Baby tötet. Aus Syrien stammen 3 Täter: Aus Sizilien, dem Irak und dem Iran jeweils 2 Täter. Aus folgenden Ländern einer: Pakistan, Indien, Kenia, Serbien. In zwei Fällen ist die Herkunft unklar.

2013: Von den Tätern sind 13 aus der Türkei, einer gehört zur türkischen Minderheit in Griechenland. Aus Afghanistan kommen 3 Täter. Aus folgenden Ländern je einer: Kosovo, Marokko, Serbien, Mazedonien, Tansania und Kuba. Über 30 Kinder bleiben zurück.

2014: Ein Iraker wirft seine 3 kleinen Kinder aus dem Fenster, die aber schwer verletzt überleben. Ansonsten finden sich unter den Tätern 8 Türken, ein Italiener, ein Palästinenser, zwei Libanesen und einer mit unklarer Herkunft.

2015: Dies sind die ersten Zahlen für 2015 - sehr vorläufig, da wir viele Fälle erst finden, wenn sie vor Gericht gehen - also unter Umständen erst im Laufe von 2016. Manche Fälle finden wir erst bei der Revision, also noch später. Bislang begann das Jahr mit 3 besonders schrecklichen Fällen: In Lüneburg erstach ein Iraker seine Frau, weil sie zum Christentum konvertieren wollte. 3 Kinder bleiben zurück. In Berlin übergießt eine Türke seine von ihm schwangere Freundin mit Benzin, sticht ihr ein Messer in den Bauch und verbrennt sie und das Ungeborene. In Darmstadt erwürgt ein pakistanisches Ehepaar seine Tochter, weil sie den falschen Freund hatte. Diese drei Fälle stammen allein aus dem Januar. Im Oktober ermordet eine syrische Flüchtlingsfamilie ihre Tochter, weil sie in Syrien vergewaltigt wurde und die Familie deswegen ihre Ehre befleckt sah. Insgesamt stammen die Täter in 5 Fällen aus der Türkei, in 2 Fällen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, jeweils in einem Fall aus Indien und aus Pakistan. Eine Herkunft wird als Türkei/Irak angegeben und eine Herkunft ist unklar. Mindestens 18 Kinder bleiben zurück.

Leider gibt es aus verschiedenen Gründen keine offizielle oder sichere Statistik über Ehrenmorde: Viele Taten werden als Unfall getarnt, Mädchen oder Frauen werden in den Selbstmord getrieben, und manchmal werden die Opfer ins Ausland gebracht, um die Tat zu vertuschen.

Außerdem gibt es keine Statistik, die Morde in Deutschland nach Nationalitäten auflistet.

Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen gibt es weltweit etwa 5.000 Ehrenmorde jährlich, davon 300 in der Türkei. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher bei bis zu 100.000 Morden pro Jahr. Das Land mit der höchsten Ehrenmordrate dürfte Pakistan sein.

Quelle: www.spiegel.de und www.terredesfemmes.de

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